Fahrsicherheitstraining beim ADAC

Glatte Straßen, sei es durch Eis, Schnee oder nur nasses Laub, sind für jeden Autofahrer eine Gefahr. In unserem Artikel “Sicherer Autofahren bei Eis und Schnee” hatten wir uns bereits mit dem Thema Sicherheit auf glatten Straßen befasst. In dem folgenden Interview, mit Frau Katja Legner vom ADAC versuchen wir zu klären, wie man sich als Autofahrer am besten auf solche potenziell gefährlichen Situationen vorbereiten kann.

Interview: Sicherheit auf glatten Straßen undFahrsicherheitstraining

Der ADAC bietet verschiedene Arten von Fahrsicherheitstrainings an. Könnten Sie uns einen kurzen Überblick über die verschiedenen Trainings geben und kurz die Zielgruppe des jeweiligen Trainings umreißen?

Pkw-Basis-Training: Das klassische Ganztages-Training für alle Erst-Teilnehmer auf unseren standardmäßig ausgestatteten Trainingsanlagen. Von diesem Kurs profitiert jeder (8 Stunden).

Pkw-Intensiv-Training: Dieses Training für alle Erst-Teilnehmer findet nur auf den großen, mit modernster Technik ausgestatteten Fahrsicherheitszentren statt.
Sie trainieren ähnliche Inhalte wie beim Basis-Training, aber unter Einsatz des kompletten technischen Equipements wie z.B. Wasserfontänen, Schleuderplatte, Geschwindigkeitsmessanlagen etc. (8 Stunden).

Pkw-Kompakt-Training: Optimal für alle, in einem halben Tag die Auszüge des Fahrsicherheitstrainings kennen lernen möchten! (ca. 5 Stunden).

Wohnmobil-Training: Training für Wohnwägen und Gespanne

Kleintransporter-Training: Fahrer von Kleintransportern besitzen in aller Regel nur den Pkw- Führerschein. Problemen wie begrenzte Rundum- Sicht, Unübersichtlichkeit des Fahrzeugs, tote Winkel, Seitenwind, enge Einfahren oder erst recht der enorme Einfluss der Beladung auf das Fahrverhalten wurde nie systematisch geschult. Hier setzt das Kleintransporter-Training an.

Bus-Training: Spektakuläre Unfälle signalisieren Handlungsbedarf. Im Training werden deshalb Unfallschwerpunkte und kritische Fahrsituationen aufgegriffen. Fahrpraktisch liegt, wie beim Lkw-Training ein Schwerpunkt auf dem Thema Bremsen. ADAC Bus-Trainings finden auf ausgewählten, großzügig dimensionierten Flächen statt.

Lkw-Training: Von den Kursen profitieren erfahrene Lenker ebenso wie solche mit noch niedriger Kilometerleistung. Im Mittelpunkt des Trainings steht die Sensibilisierung für Gefahren und das Trainieren von Notmanövern. ADAC Lkw-Trainings finden auf ausgewählten, großzügig dimensionierten Flächen statt.

Skifahrer, die mit dem eigenen Auto in den Skiurlaub fahren, werden oft von den örtlichen Begebenheiten (verschneit, glatte Straßen etc.) überrascht. Hilft ein Fahrsicherheitstraining, sich auf solche Situationen vorzubereiten?

Aber sicher! Bei einem ADAC-Fahrsicherheitstraining werden Techniken geübt, die in brenzligen Situationen wie beispielsweise bei Notbremsungen oder Ausweichmanövern gebraucht werden. Dazu gehören das Ausweichen vor Hindernissen, das Kurven Fahren, der Spurwechsel und das Trainieren diverser Bremstechniken. Ergänzt wird dieser praktische Teil durch Gesprächsrunden, in denen theoretische und psychologische Aspekte des Fahrens behandelt werden, um das Risikobewusstsein zu schärfen. Spezielle Wintertrainings gibt es jedoch nur für Firmenkunden im Rahmen von Incentive-Reisen: Dort wird das Driften auf Eis und Schnee in Schweden und Österreich angeboten.

Mit welchen Übungen wird das Fahren auf glatter Fahrbahn innerhalb des Sicherheitstrainings besonders geübt?

Trainiert werden unter anderem ein Bremsmanöver auf rutschiger Fahrbahn, das schnelle Reagieren im Hindernisparcours und das Abfangen des ausgebrochenen Autos auf der Hydraulikplatte.

Fahren auf glatter Straße will gelernt sein

Welche anderen gefährlichen Situationen werden in solch einem Fahrsichertraining erprobt?

Das Ausweichen vor Hindernissen, das Kurven Fahren, der Spurwechsel und das Trainieren diverser Bremstechniken.

Gibt es allgemeine Richtlinien, an die sich jeder Autofahrer bei Schnee und Eis halten sollte?

Am Wochenende werden weitere Schneefälle und winterliche Temperaturen das Wetter bestimmen. Das Fahrverhalten sowie die Ausrüstung müssen im Interesse der Sicherheit grundsätzlich an die besonderen Straßenverhältnisse angepasst werden. Andernfalls drohen empfindliche Geldbußen, ganz zu schweigen von versicherungsrechtlichen Konsequenzen nach Unfällen. Der ADAC hat deshalb wesentliche Informationen zum richtigen Verhalten und zu Bußgeldern bei Nichtbeachtung auf winterlichen Straßen zusammengestellt.

• Auf verschneiten und glatten Straßen ist das Fahren mit Sommerreifen verboten. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, muss ein Verwarnungsgeld von 20 Euro zahlen. 40 Euro und ein Punkt in Flensburg werden fällig, wenn dadurch auch noch der Verkehr behindert wird.
• Schneeketten müssen aufgezogen werden, wenn es durch Beschilderung vorgeschrieben wird. Fahrzeuge mit Allradantrieb müssen dann an mindestens zwei Rädern einer Antriebsachse Ketten aufziehen, sonst droht dem Fahrer ein Verwarnungsgeld von 20 Euro.
• Um freie Sicht zu behalten, muss in der Scheibenwischanlage Frostschutzmittel enthalten sein, sonst gelten die gleichen Strafen wie beim Fahren ohne Winterreifen. Weitere 10 Euro muss derjenige zahlen, der aus Bequemlichkeit nur ein kleines Guckloch in seine vereiste oder zugeschneite Frontscheibe kratzt. Auch Blinker, Rücklichter, Scheinwerfer und die Kennzeichen müssen vor Fahrantritt von Schmutz und Schnee befreit werden. Ebenso sollte das Autodach vom Schnee befreit werden, damit herab fallende Schneemengen den nachfolgenden Verkehr nicht behindern. Das Dach ist außerdem schneefrei zu halten, damit der Schnee beim Bremsen nicht nach vorne auf die Windschutzscheibe rutscht und die Sicht des Fahrers beeinträchtigt.
• Das Warmlaufen des Motors ist verboten und wird mit 10 Euro verwarnt.
• Auch verschneite Verkehrsschilder, besonders diejenigen, die dem Fahrer bekannt sind oder allein an ihrer Form erkennbar sind (z.B. Stop, Vorfahrt gewähren), müssen immer beachtet werden. Verstöße werden ebenfalls mit Bußgeld bestraft.

Der ADAC empfiehlt im Winter immer einen Eiskratzer, Handschuhe, eine Abdeckfolie für die Windschutzscheibe sowie einen Türschloss-Enteiser dabei zu haben. Auch eine warme Decke und Proviant sollten bei längeren Fahrten an Bord sein.

Neben den gefährlichen Straßenverhältnissen bergen die tiefen Temperaturen ja auch Risiken für das Auto selber. Wie bereitet man sein Auto am besten auf tiefe Temperaturen und viel Schnee vor?

Auszug aus “Nur kein Frust bei Frost, ADAC-Tipps für die kalte Jahreszeit”:

Ärger mit typischen Frost-Pannen ist schon schlimm genug, wenn dann aber auch noch die Polizei bis zu 40 Euro kassieren möchte, weil man keine Winterreifen montiert hat, dann ist Frust angesagt. Wer sich den sparen und gut durch den Winter kommen will, sollte die Tipps des ADAC beachten:

Nur nicht durchdrehen: Höchste Zeit, Winterreifen zu montieren. Bei Schnee, Matsch und Glatteis sind sie seit 2006 Pflicht. Wer dann mit Sommerreifen erwischt wird, riskiert ein Bußgeld von 20 Euro. Wird dabei noch der Verkehr behindert, drohen 40 Euro und ein Flensburgpunkt. Ganzjahresreifen gelten vor dem Gesetz als Winterreifen. Für Winterreifen gilt wie für Sommerreifen auch die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Nach Ansicht des ADAC sind Winterreifen mit einer Profiltiefe unter vier Millimeter schon nur noch bedingt wintertauglich und müssen durch neue ersetzt werden.

Strom und Wasser müssen fließen
: Ältere Autobatterien versagen beim ersten Frost häufig ihren Dienst, insbesondere dann, wenn die Kraftspender älter als vier Jahre sind. Deshalb Akku prüfen lassen und gegebenenfalls einen neuen kaufen. Eis im Kühlsystem führt zu Motorschäden. Am besten in der Werkstatt oder an der Tankstelle checken lassen, ob der Frostschutz noch ausreicht. In die Scheiben-/Scheinwerferwaschanlage frostsicheres Reinigungsmittel einfüllen lassen.

Geht Ihnen ein Licht auf? Auf die Beleuchtungsanlage muss gerade in der dunklen Jahreszeit Verlass sein. Einstellung und Funktion am besten in einer Fachwerkstatt oder beim ADAC kontrollieren lassen. Bis Ende Oktober geht das im Rahmen des Lichttests kostenlos.

Besser durchblicken. Scheiben innen gründlich vom Sommerschmutz befreien. Das sorgt für gute Sicht und mindert die Beschlagneigung. Marode Wischerblätter, die kein einwandfreies Sichtfeld mehr bieten, gegen neue tauschen.

Darüber hinaus empfiehlt der ADAC für alle Winterfälle einen Eiskratzer, Handschuhe, eine Abdeckfolie für die Windschutzscheibe sowie einen Türschloss-Enteiser. Eine warme Decke und ausreichend Flüssigkeit sollte bei jeder längeren Reise mit an Bord sein.

An das Fahren mit Schneeketten muss man sich zunächst gewöhnen. Was raten Sie Autofahrern, die das erste Mal mit Schneeketten unterwegs sind? Worauf muss hier besonders geachtet werden?

Im Winterurlaub sind Schneeketten oft der einzige Weg, um mobil zu bleiben. Dabei stellt das Aufziehen der Ketten, besonders wenn die Finger klamm sind, oft ein Problem dar. Grundsätzlich gilt: Die Ketten sind vor schneebedeckten Steilpassagen zu montieren und nicht erst, wenn man im Schnee steckengeblieben ist. Außerdem: Vorbereitung ist fast alles. Die Montage der Ketten sollte unbedingt in der warmen Garage geübt werden. Hier hat man genug Zeit sich stressfrei mit der Anleitung und den Ketten selbst vertraut zu machen. Für reibungsloses Montieren ist es wichtig, immer Handschuhe dabei zu haben. Eine wasserfeste Unterlage zum Hinknien und eine Stirnlampe für das Kettenaufziehen bei Dunkelheit sollten ebenfalls im Auto sein.

Für die richtige Vorbereitung ist es auch wichtig zu wissen, wie es um die Verfügbarkeit der Schneeketten steht. Für manche Fahrzeug-Reifen-Kombinationen ist es nämlich gar nicht so leicht, Ketten zu bekommen. Deswegen sollte man diesbezüglich vor dem Kauf und dem Aufbruch in ein Wintersportgebiet in die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs schauen. Manchmal kann es notwendig sein, beim Fahrzeughersteller nachzufragen, ob spezielle Ketten erforderlich sind; insbesondere, wenn Reifen mit niedrigem Querschnitt montiert sind oder wenn nur eine Reifendimension zugelassen ist.

Sind die Ketten aufgezogen, sollte nach etwa 100 Metern das Kettenpaar nochmals überprüft und falls notwendig nachgezogen werden. Die Maximalgeschwindigkeit mit Ketten liegt bei 50 km/h. Nicht vergessen: Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP sowie die Antischlupfregelung ASR beeinträchtigen die Wirkweise der Ketten. Deswegen ist es sinnvoll die beiden Sicherheitssysteme vorübergehend mit der ESP- und ASR-Taste auszuschalten und erst nach der Demontage der Ketten wieder zu aktivieren. Grundsätzlich gelten auch hier die Hinweise in der Bedienungsanleitung.

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